Auszüge aus Presseberichten


Verbraucherinsolvenz - was ist das?

 

Seit 1999 gibt es die neue Insolvenzordnung. Verbraucher, also auch Privatpersonen können bei Überschuldung  die Verbraucherinsolvenz einleiten. Die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland steigt. Schätzungen zufolge sind bis zu sieben Millionen Menschen überschuldet. Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Hartz-IV-Leistungen leben müssen hat sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auf  über 1,9 Millionen erhöht.

Die Erfahrungswerte meiner Praxis zeigen, dass von Arbeitslosigkeit, Krankheit/Unfall, Scheidung oder Fehlinvestitionen, betroffene Menschen ohne seriöse Hilfe dem Schuldenkarussel nicht mehr entfliehen können.

Das Motto „Kaufen Sie jetzt  - bezahlen Sie später“ oder Angebote von Kreditgebern „ Geld ohne Schufa-Auskunft“ bringt den Schuldenturm zum Einstürzen.

Oft ist die Forderung des Gläubigers gering, aber leicht wird aus 40,00 EUR 700,00 EUR. Die Forderungen der Gläubiger werden „weitergereicht“, vom Inkassounternehmen A dann zum Inkassounternehmen B, welches die Forderung aufgekauft hat.

Hinzu kommen oft noch Rechtsanwaltsgebühren, Notargebühren für ein Schuldanerkenntnis. Obgleich der Schuldner finanziell am Ende ist, versuchen immer wieder schwarze Schafe „abzukassieren“. Oft werden Versprechen zur Schuldenregulierung gegeben, das Gegenteil tritt ein.

 

Der Arbeitskreis „Geschäfte mit der Armut“, der besetzt ist mit Mitarbeitern verschiedener Wohlfahrts- und kommunaler Schuldnerberatungsstellen, Landesarbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung und der Verbraucherzentrale NRW berät hierzu bundesweit.

 

Koordinator ist:   Christian Maltry

                               c/o Landsratsamt Main-Spessart

                               Marktplatz 8

                               97753 Karlstadt

 

                               Telefon: 09353-793-303

                               Telefax: 09353-793-853 03

                                Email:   christian.maltry@lramsp.de

 

 

So habe ich  in meiner Praxis auch dieses Unterfangen bei unseriösen Schuldnerberatern erlebt: die Gebühren für Hilfeleistungen stiegen durch Weitergabe vom Vertreter zu weiteren Personen, Gesellschaften und Rechtsanwälten leicht auf über 3.500,00 EUR.

Soziale und kirchliche Schuldnerberatungsstellen haben oft lange Wartezeiten; der Schuldner wird aufgefordert die Höhe der Verbindlichkeiten und die Anzahl der Gläubiger selbst zu ermitteln.

Einige Beratungsstellen übernehmen nicht den Schriftverkehr mit den Gläubigern, sondern sind bei der Antragstellung behilflich.

Örtlich unterschiedlich wird aber oft auch eine Gebühr ab 100,00 EUR erhoben.

 

Der Schuldner ist zu meist mit dieser Bürokratie überfordert.

Adressen können nicht ermittelt werden. Internetzugang fehlt.

 

Hinzu kommt die nervliche Belastung des überschuldeten Menschen, die dazu führen kann, dass eingehende Post nicht mehr geöffnet wird und Telefonanrufe ignoriert werden. Nach dem Motto „was ich nicht sehe, betrifft mich nicht“ erhöht sich zunehmend der finanzielle und seelische Druck. Durch diese „Vogel-Strauss-Politik“ wird der Alltag für den Schuldner unerträglich.

 

Das nun vorgesehene Verfahren kann noch nicht abschließend vorgestellt werden. Es ist noch mit Änderungen und Ergänzungen zu rechnen. Zu gegebener Zeit werde ich hierzu Stellung nehmen.

 

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzten im ersten Quartal dieses Jahres mehr als 27.000 Bürger die Möglichkeit des Verbraucherinsolvenzverfahrens und den damit verbundenen Neuanfang. Die Zuwachsrate beträgt 20 %.

Einige Eckpunkte des Gesetzentwurfes sind für die Praxis noch nicht durchdacht und es ist jetzt schon damit zu rechnen, dass die Umsetzung eine Vielzahl von Fragen  und etliche Änderungen aufwerfen wird.

Das neue Gesetz stellt aus Sicht des Schuldners eine Verschlechterung dar. Die Stundung der Verfahrenskosten entfällt und der Schuldner wird zur Kasse gebeten. Auch wird die Möglichkeit der Restschuldbefreiung erschwert.

 

Mit Eröffnung des Verfahrens nach altem Recht verlieren alle Titel und Vollstreckungsmaßnahmen ihre Kraft.

Es tritt Ruhe ein und die Erfahrung hat gezeigt, sobald die Eröffnung vorliegt, vergrößert sich sprunghaft die Möglichkeit einen Arbeitsplatz zu finden. Schließlich wird kein Arbeitgeber gerne einen Mitarbeiter einstellen, der gleich den Gerichtsvollzieher mitbringt.

 

Die Erstberatung sollte immer kostenlos sein.

 

 

 

Gerda Oberließen Steuerberater/Rechtsbeistand

www.schuldnerberatung-wuppertal.de

Mitglied Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung